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Marie Birkedal (geb. 1976 in Dänemark) absolvierte die Kunstakademie Fünen (2010 MFA) und lebt seit 2013 in Berlin. Marie Birkedal arbeitet mit Materialität und entropischen Prozessen. Sie schafft viszerale haptische Werke, die das Wesen der Malerei in einer Praxis erforschen, die sie als „Empathie und Alchemie“ definiert.

Marie Birkedals Werk greift sowohl auf alte als auch auf moderne Quellen zurück und kombiniert scheinbare Widersprüche; Sie lässt sich gleichermaßen von den Mumienporträts von Fayum und John McCracken inspirieren. Während ihrer zwei Jahrzehnte währenden Praxis hat sie die Malerei mit einer On Kawara-ähnlichen recherchierenden Intensität und Hingabe behandelt. Sie stellt Fragen, gibt keine Antworten.

Die Arbeit entsteht in einem hyperfokussierten, wortlosen Zustand in einem Gleichgewicht aus geplantem Prozess und Spontaneität. Marie Birkedal verdünnt ihre Farben so weit, dass das Bindemittel aufbricht und nur noch das Pigment übrig bleibt, wodurch die Farbe so flüssig wird, dass sie dem Gemälde ein gewisses Maß an Autonomie verleiht. Die Farbe entwickelt sich durch Verdunstung und hinterlässt staubartige Spuren, so dass die Bilder eher evoziert als gemacht wirken. Die leuchtenden Lavierungen und kraftvollen Pinselstriche strahlen eine vergängliche Präsenz aus und die Gemälde scheinen atmende Wesen zu sein.

Marie Birkedals Werke verkörpern die Zeit als Material ebenso wie Farbe und Leinwand. Die Werke sind nicht alla prima; Die durchscheinende, fühlbar verdünnte Farbe erfordert, dass jede Schicht bis zur nächsten vollständig trocken ist. Es gibt lange Perioden der Leere, in denen scheinbar nichts passiert, aber alles passiert. So wie sie in ihren Arbeiten den negativen Raum nicht als Nicht-Raum betrachtet, betrachtet sie das Warten nicht als Nicht-Zeit.

Für Marie Birkedal ist die taktile haptische Erfahrung eine ebenso gültige Art, die Welt zu verstehen und in ihr zu sein wie Worte und Sprache. Sie glaubt, dass es einen Code der Kommunikation und des Verstehens gibt, der visuell und außerhalb der Sprache ist.